Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte

Hier könnt ihr coole Sportarten kennenlernen und findet hilfreiche Anregungen.
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Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte

Beitrag von Stephan Dietrich » 06.02.2020, 09:16

Am 10.06.2017 organisierte der
Bogensportclub BB-Berlin
auf seiner Anlage in Weißensee-Berlin einen Schnupperkurs im Bogenschießen für Blinde und Sehbehinderte. Da mich diese Sportart schon lange interessierte
nahm ich selbstverständlich die Gelegenheit wahr und fand mich an diesem Tag pünktlich zur vereinbarten Zeit, am vereinbarten Treffpunkt ein.

Allgemeines zum Verein
Der Verein existiert seit ca. 60 Jahren. Vor einem Jahr sind sie auf das jetzige Gelände gezogen und da dieses deutlich größer ist, bot sich die Möglichkeit
auch Blinden und Sehbehinderten das Bogenschießen näher bringen zu können. Die Idee war für den Verein nichts neues, denn schon seit ca. 4 Jahren hat dieser
ein sehbehindertes Mitglied. Auch fanden schon EM und WM unter Beteiligung von Blinden und Sehbehinderten statt.

Das Spiel:
Der Spieler legt einen ca. 60cm langen Pfeil in einen Bogen. Er steht seitlich zur auf einem Holzständer aufgestellten Papierscheibe. Der Abstand zwischen
Scheibe und dem Schießenden beträgt 70 Meter. Auf ihr sind 4 verschieden große Kreise (von außen nach innen immer kleiner werdend: schwarz, Blau, Rot und
Gelb) aufgedruckt und der Pfeil muss möglichst mittig einschlagen. Je nachdem, auf welchen Kreis der Pfeil landet, gibt es entsprechende Punktzahlen. Am
meisten Punkte gibt es für den innersten Kreis.

Die Umsetzung für Blinde und Sehbehinderte:
Ein Weg aus extra verlegten Gummiplatten führt den Blinden oder Sehbehinderten zu dem Schießstand. Dort gibt es einen sogenannten „Stand“. Das ist die
Vorrichtung für die Füße, damit unser Personenkreis weiß, wie er zu stehen hat. 2 Auslassungen für die Füße zeigen an, wo diese hinein müssen, dahinter
ist zur besseren Orientierung eine Art Rahmen genagelt. Damit die Ausrichtung des Körpers einfacher wird, gibt es eine Art „Stativ“, an dem der Blinde
oder Sehbehinderte seinen Arm ausstreckt. Berührt er mit seiner linken Hand, mit der er den Bogen hält den daran angebrachten haptischem Anlagepunkt, steht
er korrekt. Wenn er die endgültige Schießhaltung (sie besteht aus 4 Positionen) eingenommen hat, legt er den Pfeil ein und strafft mit der rechten Hand
die Sehne. Nachdem wir die endgültige Schießposition eingenommen hatten, musste ein sehender noch minimal die Armhaltung (Höhe, Beugung) korrigieren, Bevor
wir schießen konnten, damit der Pfeil auch wirklich die Mitte treffen kann. Ich gehe aber davon aus, dass Mitglieder, die länger üben, diese „Feinkorrektur“
nicht mehr benötigen, da sie die 4 Positionen so verinnerlicht haben, und somit auch korrekt stehen, um den Pfeil schießen zu können. Im Gegensatz zu den
Sehenden ist die Zielscheibe für die seheingeschränkten Personen in einer Entfernung von 30 Metern aufgestellt. Für uns waren es sogar nur 3-4 Meter. Das
hatte den Vorteil, dass man teilweise noch den Pfeil einschlagen hören konnte. Bei den Pfeilen gibt es aber keine Unterschiede, sondern Blinde und sehbehinderte
Mitglieder als auch die sehenden schießen mit identischen Material.

Fazit:
Der Verein hat sich sehr viel Mühe gegeben, für unseren Personenkreis eine barrierefreie Anlage zu gestalten. Dadurch ist es uns möglich, sehr
gut an diesem Spiel teilnehmen zu können. Die Atmosphäre vor Ort ist fantastisch, alles wird bei Bedarf auch mehrmals gezeigt und erklärt. Die Stimmung
unter einander ist locker, kumpelhaft, aber auch zuhörend bei Bedarf. Alles in allem ein sehr schönes Erlebnis.

Dieser Artikel war am 20.08.2017 unter:https://blindfuchs.de/alltag/98-bogenschiessen erschienen

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