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Fliegen mit Sehbehinderung – Die Fragen, die sich fast alle irgendwann stellen

Verfasst: 05.09.2026, 14:51
von Sophie Heinicke
Wer blind oder sehbehindert ist und zum ersten Mal fliegt, hat oft ungefähr 537 Fragen im Kopf. Okay, vielleicht sind es etwas weniger. Aber spätestens beim Buchen tauchen die Klassiker auf:
Darf mein Blindenführhund mit? Bekomme ich Hilfe am Flughafen? Kann meine Begleitung kostenlos mitfliegen? Und warum landet man plötzlich im Rollstuhl, obwohl man problemlos laufen kann?
Zeit für Antworten.

Hilfe, ich sehe das Gate nicht!
Die gute Nachricht zuerst: An Flughäfen gibt es einen kostenlosen Assistenzservice für Menschen mit Behinderungen. Und nein, man muss dafür nicht erst verloren zwischen Duty-Free-Shop und Toilettenanlage umherirren.
Die Mitarbeitenden können euch:
• am Flughafen abholen,
• beim Check-in helfen,
• durch die Sicherheitskontrolle begleiten,
• zum Gate bringen,
• beim Umsteigen unterstützen,
• ins Flugzeug begleiten,
• und nach der Landung wieder sicher zum Ausgang oder Gepäckband bringen.

Gerade auf großen Flughäfen kann das Gold wert sein. Wer schon einmal versucht hat, allein ein Gate mit der Bezeichnung „B42“ zu finden, weiß warum.

Wo melde ich die Hilfe an?
Am besten direkt bei der Flugbuchung. Falls ihr das vergesst, ist das kein Weltuntergang. Die Unterstützung kann meist auch später noch über die Fluggesellschaft angemeldet werden.
Empfohlen wird eine Anmeldung mindestens 48 Stunden vor Abflug. Dann haben Flughafen und Airline genügend Zeit, alles zu organisieren.

Warum sitze ich plötzlich im Rollstuhl?
Das ist vermutlich eine der häufigsten Fragen blinder und sehbehinderter Reisender. Man meldet eine Sehbehinderung an und denkt: „Jemand führt mich zum Gate.“
Stattdessen kommt ein Mitarbeitender mit einem Rollstuhl um die Ecke. „Ähm … ich kann laufen.“
„Ja, setzen Sie sich bitte trotzdem rein.“ Willkommen im Flughafenalltag.

Der Grund ist ganz einfach: Viele Flughäfen organisieren ihre Assistenzdienste über dieselben Teams, die auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen betreuen. Der Rollstuhl ist dabei oft das Standardfahrzeug.
Das bedeutet nicht, dass jemand glaubt, ihr könntet nicht laufen. Es ist schlicht die einfachste und schnellste Lösung für die Mitarbeitenden.

Manche Flughäfen begleiten blinde Reisende zu Fuß, andere nutzen Elektrofahrzeuge und wieder andere setzen grundsätzlich auf Rollstühle.
Wer das nicht möchte, kann freundlich nach einer Begleitung zu Fuß fragen. Ob das klappt, hängt allerdings vom jeweiligen Flughafen ab.

Darf mein Blindenführhund mit ins Flugzeug?
Ja. Und zwar normalerweise kostenlos. Blindenführhunde dürfen bei den meisten Fluggesellschaften gemeinsam mit ihrem Menschen in der Kabine reisen.
Das ist auch gut so, denn die Alternative wäre schwierig: „Entschuldigung, wo ist mein Hund?“
„Irgendwo zwischen den Koffern und den Ski-Taschen im Frachtraum.“

Keine Sorge, so läuft das natürlich nicht. Der Hund liegt in der Regel während des Fluges vor eurem Sitzplatz und reist mit euch zusammen.

Welche Airlines nehmen Assistenzhunde mit?
Die meisten großen europäischen Fluggesellschaften akzeptieren anerkannte Assistenzhunde, darunter beispielsweise:
• Lufthansa
• Eurowings
• KLM
• Air France
• British Airways

Wichtig: Den Hund immer vorher anmelden. Einfach am Flughafen erscheinen und sagen „Übrigens, mein Labrador fliegt auch mit“ sorgt eher für Nervosität als für Begeisterung.

Darf meine Begleitperson kostenlos mitfliegen?
Jetzt kommt leider der weniger erfreuliche Teil. Ein kostenloses Ticket für eine Begleitperson gibt es beim Fliegen normalerweise nicht.
Während man bei vielen Veranstaltungen oder im Nahverkehr mit dem Merkzeichen B oft eine Begleitperson kostenlos mitnehmen kann, gelten bei Fluggesellschaften andere Regeln.
Die meisten Airlines verlangen für die Begleitperson ein ganz normales Ticket.

Gibt es Ausnahmen?
Ja, aber leider nicht besonders viele.
Einige Fluggesellschaften bieten in bestimmten Fällen Vergünstigungen an oder haben Sonderregelungen, wenn eine Begleitperson aus Sicherheitsgründen notwendig ist. Das ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel. Nachfragen lohnt sich trotzdem immer.

Muss ich meine Sehbehinderung beweisen?
Normalerweise nicht. Für die Flughafenassistenz reicht meist die Anmeldung.
Ein Schwerbehindertenausweis kann hilfreich sein, wird aber oft gar nicht verlangt.

Anders sieht es bei Assistenzhunden oder besonderen Unterstützungsleistungen aus. Dort können Nachweise erforderlich sein.

Fazit
Fliegen mit Sehbehinderung ist heute deutlich unkomplizierter, als viele denken.
Man kann kostenlose Unterstützung am Flughafen erhalten, wird auf Wunsch durch das gesamte Terminal begleitet und auch beim Umsteigen unterstützt. Blindenführhunde dürfen in der Regel kostenlos mit in die Kabine.
Und wenn plötzlich jemand mit einem Rollstuhl vor euch steht, obwohl ihr problemlos laufen könnt: Keine Panik. Ihr seid nicht versehentlich in einer orthopädischen Notaufnahme gelandet. Das ist einfach Flughafenlogik.

Mit etwas Planung, einer rechtzeitigen Anmeldung der Assistenz und einer Prise Gelassenheit steht dem nächsten Flugabenteuer nichts mehr im Weg.

Neue EU-Regelungen stärken die Rechte von Flugreisenden mit Behinderungen

Verfasst: 05.09.2026, 14:54
von Sophie Heinicke
Für Menschen mit Behinderungen soll das Reisen mit dem Flugzeug verlässlicher werden. Die EU-Institutionen haben sich auf Änderungen bei den Fluggastrechten verständigt. Einige davon sind wichtige Fortschritte:

👉 Werden Hilfsmittel wie Rollstühle beschädigt oder gehen verloren, sollen Fluggesellschaften künftig die vollen Kosten für Reparatur oder Ersatz übernehmen.
👉 Zusätzlich soll kostenlos ein vorübergehender Ersatz bereitgestellt werden.
👉 Auch für Verletzungen von Assistenzhunden sind Entschädigungen vorgesehen.
👉 Verpasst eine Person mit Behinderung ihren Flug, weil die notwendige Assistenz am Flughafen nicht oder zu spät bereitgestellt wurde, soll sie Anspruch auf Entschädigung und alternative Beförderung haben.
👉 Menschen mit Behinderungen sollen außerdem kostenlos neben ihrer Begleitperson sitzen können.

Das sind wichtige Fortschritte. Aber es bleiben Lücken: Noch immer fehlt unter anderem ein umfassender Schutz vor Beförderungsverweigerungen aufgrund einer Behinderung. Auch Reisen ohne verpflichtende Voranmeldung sowie die EU-weite Anerkennung von Assistenzhunden sind weiterhin nicht gesichert.

Für uns ist klar: Barrierefreies Reisen bedeutet, gleichberechtigt und selbstbestimmt unterwegs sein zu können. Dafür setzen wir uns gemeinsam mit unseren europäischen Partnern weiter ein. 📣

Weitere Infos: https://www.dbsv.org/aktuell/neue-eu-fl ... echte.html

Teilt das gerne mit Menschen, die das auch wissen sollen!