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Berlin baut einen inklusiven Sportpark – mit inklusivem Stadion für alle

Verfasst: 17.02.2026, 13:36
von Sophie Heinicke
Berlin plant im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Stadtteil Prenzlauer Berg eines der größten und ambitioniertesten Barrierefrei- und Inklusionsprojekte Deutschlands im Sportbereich: den Inklusionssportpark mit einem neugebauten inklusiven Stadion.

Was steht an?
Der bestehende Jahn-Sportpark, der in Teilen stark veraltet und nicht barrierefrei ist, wird zu einem Sportpark für Menschen mit und ohne Behinderung umgebaut – das umfasst:
• Abriss der alten, nicht mehr nutzbaren Anlagen und Neubau moderner Sportstätten
•Neubau eines Stadions für ca. 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer
•Zusätzliche Sportflächen für Fußball, Leichtathletik, Basketball, Tennis, Blindenfußball u. v. m.
•Bau weiterer Sporthallen, Multifunktionsräume, Vereins- und Seminarräume
•Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit (z. B. Regenwassermanagement)

Das Stadion selbst ist dabei das Herzstück des Projekts.

Was bedeutet „inklusiv“ konkret?
Der Inklusionssportpark soll nicht nur barrierefrei, sondern inklusiv geplant werden – das heißt:
Barrierefrei für alle körperlichen Beeinträchtigungen
•Stufenlose Wege, Rampen und Zugangsmöglichkeiten für Rollstuhlnutzende
• Barrierefreie Toiletten, Tribünenzugänge und Eingänge
•Mindestens 5 % der Tribünenplätze speziell für Menschen mit besonderen Zugangsbedürfnissen
•Orientierungssysteme mit taktilen, auditiven und visuell kontrastreichen Elementen, um Menschen mit Seh- oder kognitiven Beeinträchtigungen die Orientierung zu erleichtern
•Lärmgeschützte Ruhebereiche im Stadionumlauf – wichtig für Menschen mit sensorischer Empfindlichkeit

Für blinde und sehbehinderte Besucherinnen und Besucher
• Wegeführung und Leitsysteme nach dem Mehr-Sinne-Prinzip (visuell, akustisch, taktil)
•Kontrastreiche Gestaltung von Kanten und Zugängen
•Barrierefreie Audiounterstützung und Beschilderung
•Sitzplatzwahl soll unabhängig von Behinderung möglich und gleichwertig sein

Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen
•Klare Strukturen, verständliche Beschilderung
•Reduzierte sensorische Reize in Aufenthaltsbereichen
•Zusätzliche Orientierungshilfen in allen Bereichen

Für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen
•Möglichkeiten für visuelle Lautsprecherdurchsagen
•Verbesserte Anzeigetafeln und Informationstafeln, um alle wichtigen Hinweise sichtbar darzustellen

Was bringt das für Sportlerinnen und Sportler sowie Zuschauerinnen und Zuschauer?
Für aktive Sportlerinnen und Sportler
Der Inklusionssportpark öffnet den Zugang zu Sport für alle Berlinerinnen und Berliner – egal ob im Verein, in Schule oder individuell. Durch zusätzliche Sportflächen und spezielle Angebote wie Blindenfußball, Rollstuhlsport oder inklusive Leichtathletik-Anlagen kann der Zugang zu Sport deutlich erleichtert werden.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer mit Behinderung
Das neue Stadion bietet:
• barrierefreie Zuschauerplätze in allen Kategorien
•Platz für Assistenzpersonen ohne Zusatzkosten
•gleiche Möglichkeiten, Spiele und Veranstaltungen mitzuerleben, unabhängig von Mobilität oder Sinnesfähigkeiten
•orientierende Leitsysteme, Beschallungs- und Infotechnologien, die alle zugänglich machen

Warum dieses Projekt wichtig ist
Der Inklusionssportpark wird von vielen Sportverbänden, Behinderten- und Rehabilitationssportgruppen sowie barrierefreien Initiativen als Meilenstein für Teilhabe am Sport in Berlin gesehen.

Argumente dafür:
•Berlin braucht mehr barrierefreie Sportflächen für den Breiten- und Vereinssport
•Menschen mit Behinderungen sind heute noch vielfach vom regulären Sportbetrieb ausgeschlossen
•Ein inklusives Stadion schafft Sichtbarkeit für Para-Sport und inklusive Veranstaltungen
•Es unterstützt den Breitensport, Schul- und Vereinssport gleichermaßen

Kritische Stimmen gibt es vor allem zur Finanzierung und Priorisierung: Einige fordern, zuerst andere Sportflächen zu sanieren oder die Kosten zu überprüfen, bevor ein großes Stadion gebaut wird.

Stand der Planungen (2026)
•Der Bebauungsplan wurde vom Berliner Senat beschlossen und wird dem Abgeordnetenhaus vorgelegt.
•Die Arbeiten am Stadionneubau sind als erster Bauabschnitt vorgesehen.
•Die Vision eines Inklusionssportparks für alle Berlinerinnen und Berliner gilt weiterhin als politisches und sportfachliches Ziel.
Wie sind also gespannt!