Nutzen und Tücken von künstlicher Intellegenz in Hilfsmitteln

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Nutzen und Tücken von künstlicher Intellegenz in Hilfsmitteln

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 23.07.2021, 16:50

Die meisten von uns kennen künstliche Intelligenz von Apps wie Seeing AI oder Envision. Ich finde diese Apps äußerst hilfreich, nutze aber in der Regel nur die Texterkennung und gelegentlich lasse ich mal ein Foto untersuchen. Die Personen bzw. Gesichtserkennung nutze ich nie.
In diesem YouTube-Clip mit dem blinden Microsoft-Entwickler Saqib Shaikh wird aber genau der Nutzen von KI beim Interagieren mit anderen Menschen hervorgehoben.

Mich würde mal interessieren, wie ihr dazu steht. Das klingt ja alles erstmal ganz toll, aber wie praktikabel sind einige dieser Features in realen Situationen?
Wenn man an einem öffentlichen Platz ist und scheinbar mit dem Smartphone Leute filmt, um sich die Umgebung erklären zu lassen, gerät man bestimmt schnell in Erklärungsnot. Es passiert ja jetzt schon, dass Sehbehinderte in der U-Bahn angepöbelt werden, sie würden die Sehbehinderung nur vortäuschen, weil sie ja ein Smartphone benutzen. Wenn ich meine Smartphone-Kamera in die Gegend halte und zufällig auch noch ein Spielplatz in der Nähe ist, wäre es wohl noch schwerer, die Leute von meiner Blindheit zu überzeugen.
Und dann die Sache mit dem Vortrag, wo die KI ihm flüstert was für Gesichter die Zuhörenden machen. Wenn die davon wissen, wird die das nicht verunsichern? Werden sie sich nicht fragen, ob die KI ihre Gesichter auch richtig interpretiert hat? Werden sie nicht versuchen, ständig zu grinsen oder eindeutige Gesichtszüge darzustellen? Als Vortragender hätte ich die Befürchtung, dass am Ende weniger von meinem Inhalt bei denen hängen bleibt, weil das Phänomen meiner KI sie beschäftigt.
Ich verlasse mich beim Umgang mit anderen Menschen lieber auf meine persönlichen Fähigkeiten, auch wenn die im visuellen Bereich Lücken haben. Die Lücken durch KI auszugleichen, schafft, glaube ich, ehr unangenehme Situationen. Wie seht ihr das?

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Re: Nutzen und Tücken von künstlicher Intellegenz in Hilfsmitteln

Beitrag von Hawkeye » 25.07.2021, 12:36

Hallo Robbie,

ich kann dir da nur zustimmen. Auch ich nutze die KI mancher Apps in dem Umfang wie du es beschreibst. Theoretisch ist viel möglich, aber wie praktikabel es in der Realität ist, ist immer eine ganz andere Frage. Beschimpft oder angepöbelt in der Öffentlichkeit wurde ich noch nicht, wenn ich mein Smartphone als Hilfsmittel benutzt habe. Das finde ich jetzt erschreckend.

Ich denke aber auch, dass wir erst am Anfang der KI Technologie stehen. Momentan exponieren wir uns noch und verhalten uns ggf. auffällig, wenn wir unsere Smartphones in der Öffentlichkeit benutzen. Ich könnte mir vorstellen, dass in wenigen Jahren es kaum äußerliche Unterschiede zwischen normalen Brillen und smarten Brillen gibt. Dann würden wir in der Öffentlichkeit nicht mehr auffallen, unangenehme Situationen würden eventuell weniger werden.

Viele Grüße

Hawkeye

Interessante Hilfsmittel-Lösung für Läufer*innen

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 07.09.2021, 12:14

Die Tagesschau zeigt in einem Instagram-Video, wie einem Marathon-Läufer das eigenständige Laufen ermöglicht wird. Da das Video keine AD hat, hier eine kurze Beschreibung.
Zu Beginn sieht man einen Läufer mittleren Alters, kurze schwarze Haare, asiatisches Aussehen, auf einem asphaltierten Platz joggen. Dann sieht man eine Person, die mit einem Schiebe-Gerät einen gelben, ca. 10 cm breiten Klebestreifen auf den Asphalt eines Platzes so aufklebt, dass sich zwei Enden wieder treffen - offensichtlich in einer Runde. Dann wird dem Läufer ein Knochenleitkopfhörer aufgesetzt – und ein Smartphone an einer Halterung vorn an der Taille befestigt. Der Text „Orientierung per App und Handy-Kamera“ erscheint. Der Läufer läuft los, der Text „System entwickelt von Google“ erscheint. Danach sieht man einen unscharfen grün-roten Strich, der sich verschiebt, wenn der Läufer vom Pfad abweicht. Parallel ertönen die Töne und es erscheint der Text „Gerät gibt Tonsignal“ „Hilft auf Pfad zu bleiben“. Dann kommt das Statement des Läufers, auch als Text über das Bild gelegt:
„Der Marathon war ursprünglich ein Sport, bei dem man alleine läuft. Diese neue Technik gibt mir die Möglichkeit, einen Marathon in seiner ursprünglichen Form zu genießen“ Misonu Masamitsu, Testläufer

OK, hier ist keine KI im Spiel, aber ich fand, dass das trotzdem irgendwie in diesen Thread past. Hier das Instagram-Video.

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